Hören

 

Dem Hören ist in den Lehrgängen zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss insofern ein etwas geringerer Wert als dem Lesen und Schreiben beizumessen, da die TeilnehmerInnen bereits sehr gut mündliches Deutsch im Alltag verstehen und in bzw. mit der Sprache agieren können. Diese Beobachtung soll Unterrichtende allerdings nicht dazu verleiten, ganz auf das Hören im Kurs zu verzichten, da es nach wie vor hohe Anforderungen - meist auf anderer Ebene als dem Globalverstehen - an die TeilnehmerInnen stellt.

Was den meisten Lernenden noch größere Schwierigkeiten bereitet und daher im Unterricht geübt werden muss, ist das konzentrierte Verfolgen längerer Redebeiträge und das Erstellen von Notizen, wenn den Hörbeiträgen wichtige Informationen entnommen werden sollen. Weiters ist das Erarbeiten bzw. Üben von sprachlichen Strukturen anhand von Hörtexten (etwa mittels "Suche X" Aufgaben bzw. "lingua puzzle") selbstverständlich auch auf diesem Niveau ein geeignetes Mittel zur Spracharbeit.

 

Auswahl und Bearbeitung von Hörtexten

Grundsätzlich eignen sich natürlich Hörtexte aus gängigen Lehrwerken für DaF/Z weder sprachlich noch thematisch kaum für die Arbeit in der Vorbereitung auf den Hauptschulabschlusslehrgang. Die Auswahl von Hörtexten fällt im Zeitalter des Internets allerdings leichter als man zunächst vermuten möchte, stehen doch auf unzähligen Seiten Podcasts zu unterschiedlichen Themenbereichen kostenlos zur Verfügung. Nennenswert sind hier die Internetseiten der Informationsradios, die manche Sendungen zur Verfügung stellen (z. B. http://oe1.orf.at/podcast/), aber auch etwa andere Seiten, die sich speziell der Wissensvermittlung verschrieben haben (z. B. http://www.infotainment-podcast.de/erfindungen/). Mittlerweile gibt es auch "Podcastfinder" wie etwa http://www.podcast.de/, auf deren Seiten man gezielt nach verschiedenen Themenbereichen suchen kann. Für die Arbeit mit den Jugendlichen eignen sich auch Sendungen, die selbst von Jugendlichen (z. B. im Rahmen von Schulprojekten) gemacht wurden und die man im Internet finden kann.

Für das Kürzen der Sendungen bzw. das Auswählen eines bestimmten Ausschnitts stehen im Internet kostenlose Programme zur Verfügung (z. B. "Audacity"  http://audacity.sourceforge.net/?lang=de).

Viele der im Internet auffindbaren Sendungen behandeln Sachthemen, oft kommen unterschiedliche SprecherInnen verschiedener Varietäten des Deutschen darin vor, und es sind authentische Texte, die nicht speziell für den Unterricht gemacht wurden.

Es liegt an den Lehrenden, diese Texte entsprechend für den Unterricht aufzubereiten, also eine passende Passage aus den meist sehr langen Sendungen auszuwählen und entsprechende Aufgaben bzw. Übungen dazu vorzubereiten.

 

Ziele definieren

Wie auch beim Lesen wird es beim Hören zunehmend wichtig, dass die LernerInnen selbst die Ziele für ihr aktives Zuhören bestimmen und Fragen formulieren. Gerade bei längeren, komplexen Hörbeiträgen wird es ihnen nicht möglich sein, alle Inhalte zu verstehen - aus der TeilnehmerInnenperspektive es ist also wichtig, zu antizipieren und sich vor dem Hören genau zu überlegen, was verstanden (notiert oder behalten) werden muss, um weitere Schritte (Aufgaben,...) durchführen zu können.

Beim Erstellen von Materialien für den Unterricht ist zu beachten, dass sie möglichst wenig Vorgaben enthalten, die von den TeilnehmerInnen während des Hörens entschlüsselt (gelesen) werden müssen. Gerade im Bereich der Basisbildung ist hier auf eine Trennung der Fertigkeiten besonders zu achten, damit nicht die Aufgabe zum Hörverstehen zusätzlich eine zum Leseverstehen wird und damit z. B. der Erfolg jener beeinträchtigt wird, die eigentlich gut verstehen, aber zu langsam lesen und schreiben. Dies ist besonders bei Lückenaufgaben oder bei "lingua puzzles" zu berücksichtigen, wo die LernerInnen häufig deshalb nicht die richtige Lösung hinschreiben können, weil sie die entsprechende Lücke nicht schnell genug finden oder der Transkription nicht schnell genug folgen können.

Hier bietet es sich im Basisbildungsunterricht an, mehr mit "Suche X" Aufgaben (ohne vorgegebene Transkription) zu arbeiten bzw. Gerüste für einzutragende Informationen gemeinsam mit den TeilnehmerInnen vor dem Hören zu erstellen, damit diese nicht durch das Lesen eingeschränkt werden. Falls Aufgaben zum Hören schriftlich gestellt bzw. schriftliche Unterlagen verwendet werden, muss den LernerInnen auf jeden Fall VOR dem Hören ausreichend Zeit gegeben werden, sich mit den Unterlagen vertraut zu machen.

 

Konzentrations- und Merkfähigkeit steigern

Zur Vorbereitung auf die Hauptschulabschlusslehrgänge ist es wichtig, die Konzentrationsfähigkeit zu steigern, was durch gezielte Übungen zum "Lernen lernen", aber auch durch die Steigerung der Länge von Hörtexten im Unterricht zu trainieren bzw. zu erreichen ist. Die Lernenden sind es zwar gewohnt, einen großen Teil ihres Alltags auf Deutsch zu bestreiten und damit auch längeren und durchaus komplexen Gesprächen zu folgen, jedoch muss das konzentrierte Zuhören einer SprecherIn über einen längeren Zeitraum dennoch geübt werden.

Ebenso eignen sich Höraufgaben immer wieder dazu, die Merkfähigkeit der LernerInnen zu trainieren, indem Informationen aus dem Text behalten und nach dem Hören wiedergegeben bzw. notiert werden müssen. Dies kommt jenen TeilnehmerInnen entgegen, die noch Schwierigkeiten haben, während des Hörens Notizen zu machen.

 

Beispielmaterialien Hören

Diktat, Phonetik, Orthografie (Der menschliche Körper)

Global- und Detailverstehen (Die Atmung)

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