Lesen

 

Lernziele Lesen

Die Fertigkeit Lesen nimmt in der Basisbildung einen besonderen Stellenwert ein. Die Lernenden, die sich auf den Hauptschulabschlusslehrgang vorbereiten, befinden sich in Phase 4 des Schriftspracherwerbs (vgl. Rahmencurriculum, S. 38), verfügen also bereits über grundlegende Kompetenzen im Lesen und Schreiben, sind aber nach wie vor unsicher bzw. relativ langsam.

Einerseits müssen die TeilnehmerInnen ihre Buchstabenkenntnisse (bzw. die Buchstaben-Laut-Kombinationen) noch vertiefen bzw. automatisieren, das Lesen also "mechanisch" üben und vor allem auch in Hinblick auf den weiteren Bildungsweg die Lesegeschwindigkeit erhöhen. Andererseits muss zunehmend das Textverständnis trainiert und geschult werden: Die Lernenden müssen mit immer längeren, sprachlich durchaus komplexen Texten fertig werden und einen Sinnzusammenhang erkennen. Wichtig ist es hierbei, sich als Unterrichtende der mit den Aufgabenstellungen verknüpften Leseziele klar bewusst zu sein und diese auch den LernerInnen transparent zu machen, um sie zunehmend zu befähigen, solche Ziele selbst zu definieren und mit den Texten entsprechend umzugehen: Wir lesen Texte anders, wenn wer ihnen nur bestimmte Informationen entnehmen wollen oder wenn wir sie so gut wie möglich im Ganzen verstehen müssen.

 

Entwicklung von Lese- und Lernstrategien

Neben dem Globalverstehen nimmt in diesem Kontext vor allem auch das selektive oder suchende Lesen einen besonderen Stellenwert ein. Die LeserInnen müssen Lesestrategien entwickeln: Sie müssen lernen, eigenständig Fragen zum Text zu stellen ("Was möchte ich herausfinden?", "Welche Informationen suche ich?"), Hypothesen aufzustellen bzw. zu überprüfen und das Gelesene mit bereits vorhandenem Wissen in Verbindung zu setzen und zu verknüpfen.

Mit dem Lesen muss in Zusammenhang mit der Basisbildung auch der Erwerb von Fertigkeiten einhergehen, wie z. B. das Erstellen von Notizen zu einem Text oder auch "nur" das Unterstreichen/Markieren von wichtigen Informationen. Solche Aufgaben - untrennbar verbunden mit dem Bereich "Lernen lernen" - stellen für die TeilnehmerInnen eine doppelte Herausforderung dar: Die meisten haben auch in ihren Erstsprachen nicht gelernt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden bzw. die Hauptinformationen eines Textes zu exzerpieren und in der fremden Sprache ist es natürlich doppelt schwierig.

 

Auswahl von Lesetexten

In unseren Lehrgängen standen wir immer vor der großen Schwierigkeit, geeignete Lesetexte (Sachtexte) für die Zielgruppe zu finden. Da die TeilnehmerInnen auf den Hauptschulabschlusslehrgang und somit zunehmend auf den Fachunterricht vorbereitet werden müssen, ist auch die Auswahl der Lesetexte an diesem Themenkanon orientiert. Hierbei zeigte sich für uns vor allem folgende Problematik: Texte, die für die Altersgruppe interessant sein könnten, sind meist nicht nur sprachlich sehr komplex, sondern setzen auch Vorwissen voraus, das unsere Lernenden oft noch nicht aufweisen können. Versucht man aus diesem Grund auf Texte für den Grundschulbereich auszuweichen, erkennt man aber, dass diese sprachlich zumeist nicht weniger komplex, jedoch häufig "verniedlichend" und für die Altersgruppe deshalb nicht passend sind, wenn auch dem Welt- bzw. Vorwissen entsprechend.

Es gilt also, möglichst authentische (Sach-)Texte zu finden, über die es den Lernenden möglich ist, ihr Vorwissen zu aktivieren und integrierend beim Verstehen des Textes zu nutzen und dabei nicht überfordert zu sein, gleichzeitig aber nicht verkindlicht zu werden. Häufig sind es populärwissenschaftliche Veröffentlichungen bzw. Texte aus Zeitschriften (z. B. ORF-Nachlese, Brigitte,...), die diesen Anforderungen entsprechen und von den Unterrichtenden für die Nutzung im Unterricht bearbeitet werden können.

 

Bespielmaterialien Lesen:

Informationen anhand von Bildern/Diagrammen überprüfen (Ernährungspyramide)

Informationen zu einem bestimmten Thema finden (Zeitumstellung)

Wortschatzerweiterung, Informationen systematisieren (Klima- und Vegetationszonen)

Zusammenhänge finden (Schlaf)