Mathematik

 

Mathematik stellt im Basisbildungsunterricht mit MigrantInnen eine besondere Herausforderung dar, da einerseits eine mathematische „Fachsprache“ zu erwerben ist und andererseits der verwendete Wortschatz bei sprachlichen AnfängerInnen große Probleme darstellt.

In Lehrbüchern für muttersprachliche SchülerInnen wird interessanterweise gerade bei mathematischen Textaufgaben mit einem Wortschatz gearbeitet, der jugendlichen MigrantInnen meist fremd ist (z. B. erntet ein Bauer Rüben, oder er bestellt seinen Acker, …).

Im Basisbildungsunterricht steht man bei Mathematik also vor zwei Aufgaben: Einerseits gilt es Zahlenräume, Rechenoperationen, Maßeinheiten, geometrische Körper,… zu vermitteln. Andererseits muss man den TeilnehmerInnen – will man das Ziel der Aufnahme in einen Hauptschulabschlusskurs ermöglichen –  ebenso den speziellen Wortschatz des „schulischen“ Mathematikunterrichts näher bringen.

 

Anforderungen an Materialien

Aus dem Vorhergehenden resultiert, dass bei den Materialien zwischen den zwei folgenden Unterrichtszielen zu differenzieren ist:

Die Vermittlung und das Trainieren von mathematischen Fertigkeiten (Grundrechnungsarten, Geometrie, Maßeinheiten, ...) soll zu Beginn weitestmöglich nicht mit abstrakten Inhalten in Verbindung stehen. Vielmehr sollen zielgruppenadäquate alltägliche Situationen zur Vermittlung herangezogen werden (Taschengeld, Discobesuch, eigene Größe und eigenes Gewicht, …); also die im Unterricht sichtbar vorhandenen Dinge und Situationen.

Trotzdem ist es notwendig, in späteren Phasen, in denen grundlegende Rechenbereiche bereits gefestigt sind, die Inhalte in komplexere Bereiche zu lenken. So ist es gerade für das Erreichen eines Hauptschulabschlusses wichtig, bei Textaufgaben zu erkennen, dass unabhängig von den beschriebenen Situationen von den TeilnehmerInnen erkannt wird, welche Rechenoperationen zu einer Lösung führen. Konkret sollen  die TeilnehmerInnen z. B. erkennen, dass es unerheblich ist, ob ein Bauer Rüben, Kartoffeln oder Kirschen erntet und in verschieden große Säcke verpackt, von denen die Anzahl errechnet werden soll, sondern dass die TeilnehmerInnen aus dem Text herauslesen können, dass sie durch eine Division zur Lösung kommen.

 

Beispiele zur Arbeit mit Textaufgaben

Hinführung auf die oben erwähnte Arbeit mit Textaufgaben:

  • An die TeilnehmerInnen können verschiedene Textaufgaben ausgeteilt werden. Die TeilnehmerInen haben die Aufgabe zu erkennen, welcher Rechenvorgang gefragt ist, um anschließend die Textaufgaben den vier Grundrechnungsarten zuzuordnen. Im Anschluss kann durch analytisches Lesen (Suche x) erarbeitet werden, welche Wörter sich typischerweise in den Textaufgaben einer Kategorie finden (z. B. bei Addition „insgesamt“, bei Subtraktion „um wie viel mehr als..“, ...). Diese Schlüsselwörter oder -wortgruppen werden anschließend den Rechenoperationen zugeordnet.

  • Analyse des Aufbaus von Textaufgaben: Was steht zuerst, wo finde ich den Arbeitsauftrag in der Textaufgabe, wie kann dieser formuliert sein (z. B. als Aufforderung/indirekte Frage: „Berechne, wie viel….“ oder als direkte Frage: „Wie viel/Wie lange….“). Dabei kann der Fokus auch auf die Unterschiede in der Wortstellung bei indirekten/direkten Fragen gelenkt werden.

  • Zerschneiden längerer Textaufgaben, die von den TeilnehmerInnen in die richtige Reihenfolge gebracht werden.

  • Verfassen eigener Textaufgaben: Beispielsweise schreibt jede TeilnehmerIn eine Textaufgabe, die Unterrichtende sammelt diese ab, korrigiert sie wenn nötig und tippt sie am Computer, sodass ein Arbeitsblatt entsteht. In der folgenden Stunde sollen die TeilnehmerInnen die Textaufgaben dann selbstständig rechnen (Frage finden, Rechnung finden, rechnen und Antwort formulieren).

 

Arbeit an Motorik und räumlicher Vorstellung

Für TeilnehmerInnen von Basisbildungsmaßnahmen ist der Umgang mit Lineal und Zirkel keineswegs einfach, insbesondere wenn sie sich noch im Alphabetisierungsprozess befinden und erst schrittweise feinmotorische Fähigkeiten beim Schriftspracherwerb erlernen. Neben diesen feinmotorischen Fähigkeiten kann und muss im Mathematikunterricht auch intensiv am räumlichen Vorstellungsvermögen gearbeitet werden. Im Mathematikunterricht soll dem daher genügend Zeit und Raum gegeben werden. Insbesondere ist es wichtig in alltäglichen Situationen diese Zusammenhänge zu veranschaulichen und zu festigen (z. B. wie lang ist mein Schuh, wie breit ist meine Schreibfläche/mein Bett, …)

 

Mathematik und "Lernen lernen"

Im Mathematikunterricht gibt es viele Bereiche, in denen es notwendig ist, bestimmte Inhalte auswendig zu beherrschen. Beispielsweise das kleine Einmaleins, Umrechnungen bei Maßeinheiten, Umfang- und Flächenformeln, … . Deshalb gibt es hier großen Bedarf, den TeilnehmerInnen unterschiedliche Lernstrategien anzubieten und den Raum zum Ausprobieren zu schaffen.

 

Beispielmaterialien Mathematik:

Memorieren (das kleine 1x1)

Arbeit mit Maßeinheiten und Tabellen (Größe und Gewicht)

Erkennen von fachsprachlichen Schlüsselwörtern (Rechenoperationen)