Schreiben

 

Schreiben als Prozess

In unseren Basisbildungskursen haben wir es mit TeilnehmerInnen zu tun, deren mündliche Kompetenz auf Deutsch bei weitem höher ist als ihre schriftliche (siehe auch Zielgruppenbeschreibung). Auf das Schreiben im Unterricht hat dieser Umstand vielfach Auswirkung. Es bedeutet etwa, dass dem Schreiben ein bedeutender Raum im Unterricht zugeordnet werden muss. Die LernerInnen sollen sich des Schreibprozesses und der Tatsache bewusst werden, dass dieser Prozess in mehreren Phasen (Phase 1: Nachdenken - Phase 2: Schreiben - Phase 3: Korrigieren/Redigieren) abläuft. Dies bedeutet aber auch, dass alle diese Phasen ihren Platz in der Unterrichtszeit haben müssen und nicht ständig in die Hausübung ausgelagert werden dürfen. Die TeilnehmerInnen müssen lernen, dass sie die Gestaltung und (teilweise) Verbesserung ihrer Texte selbst in die Hand nehmen können und sie dafür das notwendige Werkzeug bzw. Bewusstsein über eigene Stärken und Schwächen brauchen.

 

Die hohe sprachliche (mündliche) Kompetenz unserer LernerInnen in den Basisbildungsklassen lässt sie auch inhaltlich gute, interessante Texte produzieren, die hohe Wertschätzung verdienen. Die TeilnehmerInnen spüren oft die Schwierigkeit, sehr viel aussagen zu wollen, diese Gedanken bei freien Schreibaufgaben aber nicht zu Papier bringen zu können. In diesen Fällen kann das stellvertretende Schreiben (die Unterrichtende schreibt die Inhalte für die SchülerIn auf) eine wichtige Rolle spielen, um die LernerInnen zur eigenen Textproduktion zu ermutigen, aber nicht dazu zu zwingen, komplexe Gedankengänge und Überlegungen aufgrund ihrer eingeschränkten Schreibkompetenz aufgeben zu müssen. Von StellvertreterInnen geschriebene Texte können im Unterricht zum Lesen oder auch für gezielte Aufgabenstellungen zu Wortschatz und/oder Grammatik herangezogen werden, und die LernerInnen selbst erfüllen dabei immer noch - und dies darf dabei auch von den Unterrichtenden nicht vergessen werden - Phase 1 des Schreibprozesses, nämlich das Nachdenken über mögliche Inhalte bzw. deren Struktur und Aufbau, welches einen wesentlichen Bestandteil des Prozesses darstellt. In Folge können für diese Phase, für das Sammeln von Ideen und Planen eines Textes, auch Vorgehensweisen wie z. B. das Mind-Mapping erlernt und verwendet werden, die wiederum für das Weiterlernen in den Hauptschulabschlusslehrgängen eine wichtige Strategie darstellen.

 

Gelenktes Schreiben und freies Schreiben

Das freie Schreiben stellt im Basisbildungsunterricht eine besondere Herausforderung dar: Die Lernenden müssen - wie oben erwähnt - ihre Texte eigenständig planen, verfassen und redigieren können, wenn sie später im Hauptschulabschlusskurs Aufsätze abgeben und benoten lassen wollen. Die enormen Unterschiede in den mündlichen und schriftlichen Ergebnissen - die TeilnehmerInnen haben kaum Schwierigkeiten, unterschiedliche Sachverhalte mündlich stringent darzustellen, während es schriftlich manchmal schwierig ist, ihren Texten überhaupt folgen zu können - deuten auf die Schwierigkeit hin, die das freie Schreiben für die TeilnehmerInnen birgt und bedeutet, dass es im Unterricht konsequent und durchgehend einen breiten Raum einnehmen muss.

Gleichzeitig müssen Regeln für das Schreiben erworben werden: sprachliche Strukturen (Syntax, Grammatik etc.) als auch orthographische Regeln. Diese können im gelenkten Schreiben trainiert und gefestigt werden. Hierfür eignen sich das "auswendig" Abschreiben ebenso wie Diktate (in allen Formen: Laufdiktat, Dosendiktat,...) oder auch Abschreibübungen, deren Ziel es (auch) sein kann, die Schreibgeschwindigkeit zu erhöhen, was wieder für das "Mitkommen" in den Hauptschulabschlusslehrgängen von Bedeutung ist.

 

Textkorrektur

Trotz der fortgeschrittenen sprachlichen Fähigkeiten der TeilnehmerInnen stellt die Korrektur der geschriebenen Texte eine besondere Herausforderung dar. Bereits von ansprechender Länge und voller eigenständiger Gedanken und Formulierungen sind die Texte dennoch orthographisch wie syntaktisch meistens noch enorm verbesserungswürdig. Ein "schulisch" korrigierter Text würde bei den meisten Lernenden zunächst fast durchgehend rot sein und sich eventuell demotivierend auswirken, weshalb auf das "Durchkorrigieren" der LernerInnentexte eher zu verzichten ist, sofern es sich nicht um Diktate oder andere gelenkte Schreibaufgaben handelt.

Selbst geschriebene Texte können im Unterricht immer wieder dazu herangezogen werden, um angeleitete oder eigenständige Korrekturen daran vorzunehmen (und dabei auch den persönlichen Lernfortschritt gut beobachten zu können) bzw. die Texte zu ergänzen oder zu verändern, sie also lebendig zu halten und nicht als "erledigt" abzuheften. Dieses Vorgehen stellt wieder den "Prozess" in den Vordergrund und verdeutlicht den LernerInnen, dass die Arbeit am Text so lange nicht abgeschlossen ist, bis der letzte Punkt darunter gesetzt wurde. Die Unterrichtenden müssen für die Textkorrektur Anleitungen vorbereitet haben - so bekommt z. B. ein Teilnehmer seinen Text mit dem Hinweis zurück, er möge die Position des Verbes in all seinen Sätzen überprüfen oder kontrollieren, ob alle Satzanfänge groß geschrieben wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Lernenden selbst natürlich nur jene Fehler in jenen Bereichen korrigieren können, in denen entsprechende Regeln bereits systematisch erlernt wurden und angewendet werden können.

Es empfiehlt sich für eine solche Textkorrektur, den Lernenden ihre eigenen Produkte in Kopie zu verteilen, damit nicht radiert werden kann, sondern Fehler einfach farbig markiert und einzelne Wörter neu geschrieben werden müssen. Die Korrekturphasen können sich über einen längeren Zeitraum erstrecken (z. B. erste Korrektur direkt am Tag nach der Produktion, zweite Korrektur vier Wochen später, dritte Korrektur drei Monate später), da so auch persönliche Lernfortschritte im Vergleich mit den früheren Textversionen sichtbar gemacht werden können.

 

Beispielmaterial Schreiben:

Freies Schreiben (Textproduktion über das eigene Land)

Gelenktes Schreiben anhand vorgegebener Informationen (Kurzbiografie)

Stichworte für freies Schreiben sammeln (Personenbeschreibung)