Sprechen

 

Die TeilnehmerInnen in Basisbildungslehrgängen können in der Regel bereits gut Deutsch sprechen und Situationen im Alltag sprachlich problemlos bewältigen. Lernziel ist also nicht mehr die Alltagskommunikation (Dialoge), sondern vielmehr das Vorbereiten kürzerer oder längerer Redebeiträge, wie sie auch in den Hauptschulabschlusslehrgängen von den LernerInnen erwartet werden. Hierbei handelt es sich weniger um Referate, sondern viel mehr um das Beantworten von Fragen ohne weitere Zwischenfragen oder -kommentare, wie dies zum Beispiel in einem Prüfungsgespräch der Fall sein kann (z. B. "Was weißt du über...?"). Bei vielen TeilnehmerInnen geht es auch darum, die Angst vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit (mit mehr als einer ZuhörerIn) abzubauen und Strategien für das Bewältigen (fach-)themenbezogener Gesprächssituationen zu erwerben bzw. das Selbstbewusstsein zu stärken. In Phasen des gelenkten Sprechens wird an der "Qualität" der Aussagen gearbeitet, um eine immer höhere sprachliche Korrektheit zu erreichen.

 

"An Gesprächen teilnehmen" und "Zusammenhängend sprechen"

Im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GERS) wird die Fertigkeit Sprechen folgendermaßen unterteilt: "An Gesprächen teilnehmen" bezeichnet das dialogische Sprechen, "Zusammenhängend sprechen" bezeichnet auf den höheren Sprachniveaus die Fähigkeit, eine gewisse Zeit lang ohne Unterbrechung einen eigenen Redebeitrag zu gestalten. Die TeilnehmerInnen der Basisbildungslehrgänge bewegen sich in Alltagsgesprächen bereits mehr oder weniger souverän, müssen in solchen Gesprächen aber noch lernen, das Gespräch selbst aufrechtzuerhalten. Schwieriger ist für die TN das zusammenhängende Sprechen, wenn Sachthemen den Gesprächsinhalt bilden. Jene Fertigkeit, die die LernerInnen etwa in der Hauptschule brauchen, wenn sie in einer Prüfungssituation ihr Wissen wiedergeben sollen, wird im GERS dem Niveau C1 - kompetente Sprachverwendung - zugeordnet ("Ich kann komplexe Sachverhalte ausführlich darstellen und dabei Themenpunkte miteinander verbinden, bestimmte Aspekte besonders ausführen und meinen Beitrag angemessen abschließen." vgl. www.goethe.de/Z/50/commeuro/303.htm).

Das zusammenhängende Sprechen über Sachthemen ist eine ausgesprochen schwierige Aufgabe, auf die im Basisbildungsunterricht vorbereitet werden kann, indem die SchülerInnen lernen, kürzere Redebeiträge (zunächst zu vertrauten Themen aus dem Alltag, zunehmend auch zu den im Unterricht behandelten Sachinhalten) vorzubereiten und zu gestalten und dabei auch Strategien zu entwickeln, wie fehlende Wörter, Überleitungen, "Nicht-Weiterwissen" etc. überbrückt werden können. Diese Kompensationsstrategien können spielerisch im Unterricht trainiert werden (vgl. van den Burg/Krijgsman in Fremdsprache Deutsch Heft 14) bzw. können Redebeiträge der TeilnehmerInnen aufgenommen und im Unterricht als "authentische Hörtexte" mit dem Fokus auf eben diese Strategien eingesetzt werden.

Sowohl für das dialogische als auch für das zusammenhängende Sprechen ist es wichtig, mit den TeilnehmerInnen Redemittel für bestimmte Kommunikationsabsichten (beispielsweise "die eigene Meinung vertreten", "einen Kompromiss finden" etc.) zu erarbeiten (auch aus Hör- und Lesetexten) und ausreichend Gelegenheit zu bieten, diese durch gelenkte und freie Sprechanlässe einzuüben und zu automatisieren.

 

Sprechen und (Fehler-)Korrektur

Um die mündlichen Äußerungen der SchülerInnen stetig zu verbessern und auch "eingeschliffene" Fehler langfristig zu korrigieren, müssen die Unterrichtenden einen adäquaten Modus des Korrigierens einsetzen. Die Lernenden müssen sich sicher fühlen und in der Unterrichtssituation einen "geschützten Raum" vorfinden, in dem sie angstfrei kommunizieren und sich artikulieren können. Dazu trägt auch das Klassenklima bei, und es ist ratsam, gemeinsame Kommunikationsregeln (die anderen aussprechen lassen, "mutigere" SchülerInnen müssen schweigsamere zu Wort kommen lassen,...) zu erarbeiten. Zudem ist es wichtig, "falsche" Äußerungen der Lernenden zuzulassen und nicht immer - besonders nicht in Phasen des freien, kreativen Sprechens - korrigierend einzugreifen. Auch hier - ebenso wie beim Schreiben - sollen für die TeilnehmerInnen die Strategien und Vorgehensweisen der Unterrichtenden transparent sein: Sie müssen wissen, wann und wie sie korrigiert werden (viele Lernende verlangen dies ja) und wann nicht bzw. welche Fehler korrigiert werden und welche nicht. Abhängig wird dies immer vom Ziel der Sprechaufgabe sein: Soll mit einem Sprechanlass eine bestimmte Struktur eingeübt werden? Geht es vorwiegend um das Transportieren von Inhalten? Sollen Flüssigkeit und Tempo verbessert oder soll auch an nonverbalen Aspekten der Äußerung gearbeitet werden? Unterrichtende und Lernende müssen eindeutige Ziele vor Augen haben und die Unterrichtenden ihr Korrekturverhalten diesbezüglich anpassen.

Es ist fraglich, wie sinnvoll eine grammatikalische bzw. syntaktische Korrektur freier sprachlicher Äußerungen ist, sofern Fehler dieser Art das Verständnis der Aussagen nicht wesentlich beeinträchtigen. Hier ist es wohl eher angebracht, an Melodie und Tonfall, Tempo und Flüssigkeit der LernerInnen zu arbeiten, wofür sich auch Ton- bzw. Videoaufzeichnungen eignen, anhand derer die SchülerInnen sich selbst hören bzw. beobachten können und nicht das Feedback der Unterrichtenden (bzw. KollegInnen) annehmen oder interpretieren müssen, ohne sich selbst noch einmal in der Situation hören bzw. sehen zu können.

Sprachliche Aspekte zur Steigerung der grammatikalischen bzw. syntaktischen Korrektheit sollten hingegen in Phasen des gelenkten Sprechens (z. B. Gesprächsrekonstruktion oder wechselseitige Befragungen zum Einüben definierter Strukturen etc.) eingebracht werden und sich auf ein bestimmtes Phänomen beziehen, welches zu trainieren Ziel der Aufgabe ist.

In der Basisbildung liegt bei der Fertigkeit Sprechen - im Unterschied zu "normalen" DaZ-Kursen - der Schwerpunkt auf der Unterstützung der TeilnehmerInnen bei der Entwicklung von der allgemeinsprachlichen Kompetenz (BICS) hin zur kognitiv-akademischen Kompetenz (CALP) (siehe auch Basisbildung in der Zweitsprache Deutsch). Dieser Schritt stellt für die hier beschriebene Zielgruppe eine besondere Herausforderung dar, zumal diese Kompetenz oft auch in der Erstsprache durch unterschiedliche Gründe (siehe Zielgruppen für Basisbildungsangebote) nicht ausreichend entwickelt wurde. 

 

Beispielmaterialien Sprechen:

Freies Sprechen: Informationen über eigene Gewohnheiten geben (Essgewohnheiten)

Gesprächsrekonstruktion (Großglockner)

Redebeiträge analysieren

Gespräche führen: Kompromisse schließen und Argumentieren (Wohngemeinschaft)