Sprechen - Material 4

Gespräche führen: Kompromisse schließen und Argumentieren
(Wir gründen eine Wohngemeinschaft)

 

Arbeitsblatt: Wir gründen eine Wohngemeinschaft – Arbeitsauftrag
Arbeitsblatt: Wir gründen eine Wohngemeinschaft – Wohnungsgrundrisse

 

Lernziele:

sich in eine imaginäre Situation hineinversetzen (Abstraktionsvermögen entwickeln)

die persönliche Meinung vertreten, argumentieren, Kompromisse schließen


Sozialform:

Kleingruppen à 3-4 Personen


(Zusatz)Material:

Aufgabenblatt mit Situationsbeschreibung und Anregungen

Wohnungsgrundrisse (mit Informationen zum Mietpreis)


Einbettung ins Curriculum:

Wohnen ist ein Thema, das im Kanon der Gebiete für den Hauptschulabschluss zwar nicht vorkommt, aber von den LernerInnen meist selbst eingebracht wird. Ein großer Teil des entsprechenden Wortschatzes ist den Jugendlichen bereits aus ihrem Alltag bekannt. Im Deutschunterricht kann hier noch vertieft und um spezifische Elemente erweitert werden. Im Mathematikunterricht ist das Errechnen der Lebenserhaltungskosten (Wie muss ich mein Geld einteilen?, Was kann ich mir leisten? etc.) ein wichtiges Thema, das sich durch den gesamten Lehrgang zieht.

Die Wohnungsgrundrisse müssen "gelesen" werden können: Dies erfordert abstrakte Vorstellungskraft und im fortgeschrittenen Stadium sollten die LernerInnen auch aufgrund der angegebenen Maße eine gewisse Vorstellung von der Größe der Wohnung bzw. der Zimmer haben.

Die benötigten, eingeübten Redemittel sind übertragbar auf sämtliche Zusammenhänge, in denen die LernerInnen ihre eigene Meinung vertreten bzw. verteidigen müssen.


Dauer:

ca. 30 Minuten

 

Ablauf:

Die TeilnehmerInnen bilden Kleingruppen und erhalten das Blatt, auf dem der Arbeitsauftrag erläutert ist. Wenn nötig, kann die Unterrichtende zusätzliche Erklärungen geben. Die LernerInnen müssen wissen, was eine Wohngemeinschaft ist, und Jugendliche mit (positiven wie negativen) WG-Erfahrungen können von diesen berichten, um möglichst breit zu verdeutlichen, worauf bei Auswahl der Wohnung und Erfüllen des Arbeitsauftrags Rücksicht genommen werden muss.

Im Anschluss erhalten die Kleingruppen unterschiedliche Wohnungsgrundrisse mit Angaben über Preis und Lage und müssen gemeinsam eine Wohnung auswählen, die für sie attraktiv ist und in weiterer Folge eine Einigung darüber treffen, wie Räume und anfallende Arbeiten in der Wohnung unter den MitbewohnerInnen verteilt werden.

 

Erläuterungen zum Einsatz im Basisbildungsunterricht:

Die meisten Jugendlichen sind in Österreich schon mindestens einmal umgezogen oder müssen dies im Kursverlauf tun - viele von ihnen werden volljährig und müssen betreute Wohngemeinschaften verlassen, einige wollen allein oder mit Gleichaltrigen zusammenwohnen und müssen selbst eine Wohnung finden. Dazu gehört die Überlegung, ob die Wohnung leistbar ist und - im Fall vom gemeinsamen Wohnen - eben die Aufteilung der Kosten, der Räumlichkeiten und Haushaltsaufgaben.

Eine Schwierigkeit dieser Aufgabe für TN im Bereich der Basisbildung liegt darin, dass diese zum abstrakten Denken fähig sein müssen. Dazu gehört einerseits, dass sie sich in eine imaginäre Situation oder sogar in eine andere Person versetzen müssen, was vielen schwer fällt, wenn dies nicht von Kind an geübt wurde. Hinzu kommt andererseits die Arbeit mit einem Grundriss, den viele LernerInnen zunächst nicht deuten können, weshalb unbedingt darauf geachtet werden muss, dass im Vorfeld (z. B. im Mathematikunterricht) bereits Grundrisse bekannt gemacht wurden.


Vorbereitende/Weiterführende Übungsvorschläge:

Zur Vorbereitung kann mit Materialien gearbeitet werden, die aus dem DaZ-Unterricht bekannt sind (Hör- und Lesetexte zum Thema Wohnen, Anzeigen/Inserate in Zeitungen und im Internet etc.). Im Mathematikunterricht sollten Grundrisse betrachtet und gedeutet werden und der Begriff "Quadratmeter" bereits eingeführt worden sein.

Eine Analyse der Gespräche mittels Videoaufzeichnung bietet sich an dieser Stelle an. Dadurch kann das Gesprächsverhalten der TeilnehmerInnen (Bin ich aktiv?, Halte ich das Gespräch aufrecht oder beantworte ich die Fragen der anderen?, Habe ich meine Standpunkte gut vertreten und meine Interessen durchgesetzt?,...) einem Feedback unterzogen werden und es können noch einmal sprachliche Mittel (wie etwa "Ich finde, dass...", "Meiner Meinung nach...",...) gesammelt und gegebenenfalls korrigiert oder erweitert werden.

 

Quellen:

Wohnungsgrundrisse aus dem Internet (Seiten nicht mehr bekannt)