Lerninhalte Basisbildung

 

Kurse und Lehrgänge im Bereich Basisbildung müssen die Vermittlung der Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen, Informations- und Kommunikationstechnologien) zum Ziel haben. Für diese Fertigkeiten gibt es teilweise beschriebene Erwerbsstufen (vgl. das RahmenCurriculum DaZ und Alphabetisierung), an denen sich Planende und Unterrichtende bei der Konzeption und Beschreibung der Kurse bzw. beim Festsetzen konkreter Lern- bzw. Kursziele orientieren können.

 

Für die Arbeit mit der Zielgruppe der MigrantInnen ist immer zu beachten, dass Deutsch nicht die Erstsprache der Lernenden ist. Dies bedeutet einerseits, dass die Didaktisierung von Materialien zum Lesen und Schreiben auch den Aspekt Deutsch als Zweitsprache (DaZ) berücksichtigen muss, andererseits heißt es aber auch, dass der Erweiterung der Fertigkeiten Hören/Verstehen und Sprechen auch in der Planung und Gestaltung von Maßnahmen ausreichend Raum eingeräumt werden muss. Zudem muss die Erarbeitung von Sachinhalten immer darauf beruhen, dass nicht nur der Sachinhalt, sondern auch die (Fach)Sprache neu für die Lernenden sind (vgl. dazu Basisbildung in der Zweitsprache Deutsch).

 

Das Sammeln von Lernzielen und Ableiten von gemeinsamen Kurszielen gestaltet sich im Bereich der Basisbildung oft schwierig, da die Lernenden mit besonders unterschiedlichen Voraussetzungen in die Einrichtungen kommen und sowohl hinsichtlich Vorkenntnisse (auf Deutsch mündlich und auch im Lesen und Schreiben) als auch in Bezug auf ihre Lernerfahrungen bzw. Lernziele sehr unterschiedlich sind. Dies bedeutet, dass entweder - bei entsprechender Nachfrage - ein besonders differenziertes Kursangebot geschaffen werden muss, in dem unterschiedliche Kursstufen "kleinstmögliche Einheiten" bilden und gemeinsame Ziele verfolgen können, oder dass - und die institutionellen Rahmenbedingungen werden dies eher möglich machen - innerhalb der Kurse höchst differenziert gearbeitet und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Teilnehmenden individuell eingegangen werden muss. Dies kann in Phasen des offenen Lernens ebenso passieren wie generell im Werkstattunterricht, wobei die Kursplanenden geeignete Rahmenbedingungen dafür schaffen müssen.

 

Bei der Erstellung eines Themenkanons bzw. Curriculums für die Kurse müssen die Bedürfnisse und Interessen der Lernenden ebenso einbezogen werden wie jener Bedarf, der aus den Anforderungen der Gesellschaft bzw. der unmittelbaren Umgebung der Lernenden abzuleiten ist. Für den Bereich DaZ sind hier zunächst jene Themen zu anzuführen, die auch der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER) für Sprachen nennt (vgl. hier wieder eine kommentierte Version im RahmenCurriculum DaZ und Alphabetisierung, 23.ff). Hinzu kommen meist Bereiche, die sich aus dem unmittelbaren Lebensumfeld der Lernenden ergeben und auch direkt an ihren Bedürfnissen orientiert sein sollen (z. B. kann die Herausforderung "ein Formular ausfüllen" im Erwachsenenunterricht etwa mit einem Anmeldeformular für den Kindergarten, mit den Jugendlichen aber wohl eher mit einer Anmeldung im Sportverein o. Ä. thematisiert werden).

 

Lernbedarfe im Hinblick auf den Hauptschulabschluss

 

Während der Bereich Basisbildung generell ein sehr weiter ist und ein extrem breites Themenspektrum zulässt, geht es in Lehrgängen, die auf den Hauptschulabschluss vorbereiten sollen, auch um das Erarbeiten von Sachinhalten, damit die Lernenden dem späteren Unterricht besser folgen können. Hier muss erhoben werden, über welches Vorwissen sie bereits verfügen (vgl. auch Kompetenzen der Lernenden unter Zielgruppe) und welche Anforderungen in den angestrebten Bildungsmaßnahmen auf sie zukommen.

 

Die im Rahmen des Netzwerks Dynamo durchgeführten Lehrgänge "Basisbildung für jugendliche und junge erwachsene MigrantInnen" richten sich an Lernende, deren mündliche Kompetenzen in Deutsch bereits fortgeschritten sind (A2-Niveau lt. GERS), die jedoch noch Schwierigkeiten im schriftlichen Bereich sowie in Mathematik haben. Lernende, die nach Österreich kommen und hier gleichzeitig Deutsch und aber auch Lesen und Schreiben lernen müssen, entwickeln - auch durch den ständig ungesteuert laufenden Erwerb außerhalb der Kurse - ihre mündliche Sprachkompetenz wesentlich rascher als die schriftliche und so kommt es häufig zu dieser "Kluft", in der es schwierig wird, geeignete Maßnahmen für die Lernenden zu entwickeln: Ihre Fertigkeiten im Verstehen und Sprechen sind zu hoch, um an einem Deutschkurs für AnfängerInnen teilnehmen zu können, ihre Fertigkeiten in den Bereichen Lesen und Schreiben aber nicht elaboriert genug, um schon der Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss (oder auch Kursen für Fortgeschrittene) folgen zu können. Die von uns entwickelten Lehrgänge und Materialien richten sich an genau diese Zielgruppe, wobei alle Jugendlichen zu Maßnahmenbeginn das Ziel haben, einen Hauptschulabschluss zu machen.

 

Der Aufbau der Fertigkeiten in den Kulturtechniken kann und muss sich auch in diesen Lehrgängen an den Erwerbsstufen orientieren. Es geht vor allem um den Ausbau der Textkompetenz im weitesten Sinne, also die Fähigkeit des sinnerfassenden Lesens einerseits sowie das Verfassen von zusammenhängenden Texten andererseits. Dem Aufbau von bildungssprachlicher Kompetenz ist hierbei besondere Wichtigkeit beizumessen (vgl. Basisbildung in der Zweitsprache Deutsch). Dazu gehören zum Beispiel auch dem Bereich "Lernen lernen" zuzuordnende Fähigkeiten wie etwa das Herausfinden (oder Markieren) wichtiger Informationen in einem Text oder die Fähigkeit, Gelesenes auch kurz zusammenzufassen.

 

Thematisch bieten jene Kurse und Lehrgänge, die sich der Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss verschreiben, weniger "Freiheiten" in der Auswahl als andere, können demnach vielleicht zu ihrem Nachteil auch weniger an "lebenspraktische Aspekte" angepasst werden. Zwar soll natürlich auch in diesen Maßnahmen auf die individuellen Bedürfnisse und Interessen der Lernenden eingegangen werden, vor allem auch ihre Vorkenntnisse einbezogen werden, aber grundsätzlich bestimmen die Sachthemen der Hauptschulfächer, auf die es die Lernenden vorzubereiten gilt, das Kursgeschehen. Die Kursziele sind also weitgehend von außen vorbestimmt.

Für unsere Lehrgänge haben wir im Herbst 2007 eine Umfrage unter den AnbieterInnen von Hauptschulabschlusslehrgängen in Wien gestartet, aus denen wir erhoben haben, welche Vorkenntnisse die Lernenden für die Aufnahme in einen Lehrgang bereits mitbringen müssen und welche Themen im Lehrgang selbst (für die jeweiligen Prüfungen) behandelt werden, sodass wir die Lernenden darauf vorbereiten können. Entstanden ist aus dieser Umfrage ein Themenkanon, der in unseren Lehrgängen die Inhalte bestimmt, aber nicht starr die Themen vorgibt, sondern ein Grundgerüst bzw. einen Rahmen darstellen soll, in dem Änderungen und unterschiedliche Schwerpunktsetzungen möglich sind, die den Interessen der Lernenden entgegenkommen. Um einerseits auch eine direkte und praktische Auseinandersetzung mit den Inhalten, die im Unterricht vermittelt werden, zu ermöglichen, andererseits den TeilnehmerInnen wertvolle Erfahrungen zu vermitteln, stellen Exkursionen einen wichtigen Bestandteil der Maßnahmen dar. Beispielsweise können mittels Exkursionen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die eine direkte Umgebung für Lernmotivierte darstellen (beispielsweise Bibliotheken, Museen, Führungen). Der folgende Themenkanon ist exemplarisch durch Exkursionsvorschläge ergänzt: Fächer und Themenbereiche

In den Lehrgängen wird auch Englisch unterrichtet, allerdings nicht in einem Ausmaß, das ausreichen würde, LernerInnen ohne Vorkenntnisse auf entsprechende Aufnahmeprüfungen vorzubereiten. Die Aufnahmekriterien der Hauptschulabschlusslehrgänge sind hier derzeit unterschiedlich: In manchen werden Vorkenntnisse verlangt, in anderen nicht. In den Basisbildungslehrgängen wird die englische Sprache vorwiegend mündlich (über Hörtexte und Dialoge) vermittelt, um jene TeilnehmerInnen, die in der Buchstaben-Laut-Zuordnung noch unsicher sind, nicht zu verwirren. Lernziel (mündlich) ist das Verstehen und Beantworten einfacher Fragen zur Person und der Erwerb eines kleinen Grundwortschatzes, vor allem aber das Einhören in die neue Sprache.

 

Grundsätzlich steht der Erwerb der Kulturtechniken im Vordergrund, nicht das Vermitteln von Sachwissen. Unser Konzept stellt also die sprachlichen Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Sprechen und Hören in den Vordergrund, nicht Fächer wie etwa Geographie oder Biologie. Die Auswahl der Themen folgt für diese Fertigkeitsbereiche, folgt dann allerdings nicht einem Themenkanon, wie wir ihn von DaZ-Kursen gewohnt sind (also z. B. Gesundheit, Einkaufen, Familie,...), sondern wir wählen einzelne Aspekte aus dem Fächerkanon der Hauptschulkurse und bereiten dazu Hör- und Lese- sowie Sprech- und Schreibaktivitäten vor. In der dazugehörigen Wortschatzarbeit wird damit automatisch der Grundstock für den Fachwortschatz gelegt, in der regelorientierten Spracharbeit werden die Aspekte der Fachsprache hervorgehoben und die Fertigkeiten werden im Umgang mit den Texten trainiert. Die entsprechenden Fachinhalte werden mit dem Lese- und Hörverständnis erfasst und manchmal noch zusätzlich aufbereitet bzw. durch Exkursionen unterstützt.

Für die Ausbildung der Unterrichtenden in Basisbildungsmaßnahmen bedeutet dies, dass eine DaZ-bzw. Basisbildungsausbildung obligatorisch ist, da es sich sozusagen um einen DaZ-Lese-Schreib-Rechen-IKT-Kurs anhand von Sachthemen handelt, für den eine fachspezifische LehrerInnenausbildung zu kurz greift (mehr dazu in Basisbildung in der Zweitsprache Deutsch).

 

Bibliografische Angaben zu der im Artikel zitierten Literatur unter Literaturhinweise