Zielgruppen für Basisbildungsangebote

 

Maßnahmen der Basisbildung richten sich an Personen, deren Kompetenzen in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen und im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) nicht den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen, hier im Speziellen an jugendliche bzw. junge erwachsene MigrantInnen, die das Ziel verfolgen, in Österreich einen Schulabschluss nachzuholen. Sie müssen also das Lesen und Schreiben in der Zweitsprache erlernen, was spezielle methodisch-didaktische Zugangsweisen erfordert.

 

Alphabetisierung und Basisbildung für Personen mit Deutsch als Erstsprache

 

Im Themenkomplex Basisbildung muss eingangs unterschieden werden, welche Erstsprache die Personen haben. So werden in Österreich seit einigen Jahren für jugendliche und erwachsene Personen Maßnahmen angeboten, die Deutsch als Erstsprache zum Lern- und Erwerbsziel haben. Dazu gibt es umfangreiche Informationen bei den
Projekten IN.Bewegung I und II.

 

Alphabetisierung und Basisbildung für Personen mit Deutsch als Zweitsprache

 

Die im Netzwerk Dynamo angebotenen Maßnahmen richten sich ausschließlich an Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund, deren Deutschkenntnisse (vor allem in den schriftlichen Fertigkeiten) noch nicht ausreichend sind, um etwa Basisbildungsangeboten zu folgen, die für Personen mit Deutsch als Erstsprache angeboten werden.

Es gibt zwar Argumente für die gemeinsame Basisbildung von Personen mit Deutsch als Erstsprache und jenen mit Deutsch als Zweitsprache: Der gemeinsame Unterricht fördert vor allem auch Kontakte und Begegnungen und erlaubt authentische Sprechanlässe - alle TeilnehmerInnen können in unterschiedlichen Bereichen stark voneinander profitieren. Allerdings muss beachtet werden, dass dies erst ab einem gewissen Sprachniveau in der Zweitsprache Deutsch möglich ist, da sonst Frustration ("nichts verstehen") und Enttäuschungen gegenüber den Erfolgserlebnissen überwiegen würden, was gerade im Bereich der Basisbildung unbedingt zu vermeiden ist. Zu beachten ist, dass gerade die jungen MigrantInnen die Schule oft nur sehr kurz oder gar nicht besucht haben, d. h. die Vorkenntnisse sind auch in Bezug auf das Lesen und Schreiben an sich ganz unterschiedlich gegenüber jenen Personen, die z. B. acht Schuljahre hinter sich haben. Hier geht es häufig auch noch um das Trainieren von ganz basalen motorischen Fertigkeiten oder das Schreiben auf der Zeile und erst zweitrangig um orthographische Probleme.

Für die jungen Menschen mit relativ geringen Deutschkenntnissen sind separate Basisbildungsmaßnahmen aus genannten Gründen auf jeden Fall sinnvoll, besonders dann, wenn in diesen das Hörverstehen und Sprechen gezielt weiterentwickelt und auf die unterschiedlichen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben Rücksicht genommen werden kann.

Die Konzeption der Kurse und Lehrgänge im Netzwerk Dynamo nimmt insofern darauf Rücksicht, in dem Alphabetisierung und Deutsch als Zweitsprache kombiniert unterrichtet werden. "Basisbildung" bzw. der Erwerb der Techniken des Lesens und Schreibens werden also nicht isoliert und z. B. als Voraussetzung für den Besuch eines Deutschlehrgangs betrachtet ("Vorkursmodell"), sondern in den Maßnahmen werden alle vier Fertigkeiten gleichermaßen gefördert und bei Aktivitäten zum Hören und Sprechen bzw. auch in der Grammatikarbeit wird methodisch darauf Rücksicht genommen, dass die Jugendlichen geringe Lese- und Schreibkenntnisse haben (siehe dazu auch die Publikationen des AlfaZentrums für MigrantInnen, www.alfazentrum.at).

 

Alphabetisierung und Basisbildung für Personen mit Migrationshintergrund in der jeweiligen Erstsprache

 

Für viele der Jugendlichen wären auch Alphabetisierungsangebote in ihrer Erstsprache/Erstschrift sinnvoll und von ihnen gewünscht. Gerade jene, die keine Schule besucht haben, können oft auch ihre erste Sprache nicht lesen und schreiben, wodurch selbstverständlich der Erwerb der Lateinschrift noch erschwert wird. Das Lernen von Lesen und Schreiben bedeutet ja - unabhängig von der sprachlichen Komponente - dass zunächst ein Bewusstsein dafür entwickelt werden muss, dass mit der Schrift überhaupt Inhalte abgebildet werden können. Hierfür muss erst gelernt werden, dass z. B. in der Lateinschrift einzelne Buchstaben verschiedene Laute abbilden und sich die gesprochenen Wörter aus diesen Lauten zusammensetzen. Dabei geht es um höchst komplexe Vorgänge, die bei Kindern bereits im Kindergartenalter gefördert und dann in der Grundschule weiterentwickelt werden, und nun von diesen Jugendlichen in der Zweitsprache in einem sehr kurzen Zeitraum erfasst werden sollen.

Alphabetisierungsangebote in der Erstsprache/Erstschrift würden dem Verständnis sicherlich zuträglich sein, den Erwerb der Lateinschrift erleichtern und vor allem auch die sprachliche Identität der Jugendlichen stärken. Auch die Entwicklung und Förderung der Kompetenzen in der Bildungssprache Deutsch gestaltet sich dann besonders schwierig, wenn die Jugendlichen auch in ihrer Erstsprache kaum über bildungssprachliche Kompetenzen verfügen.

Gerade bei den jungen Menschen, die auch Kontakt zur Familie und zu FreundInnen im Herkunftsland halten wollen, wäre es durchaus sinnvoll, in zweisprachige Basisbildungsangebote zu investieren. In diesem Zusammenhang gibt es definitiv noch große Entwicklungsmöglichkeiten in der Kurskonzeption.

 

Basisbildungsbedarf von Personen mit Deutsch als Zweitsprache und das österreichische Bildungssystem

 

Für Jugendliche mit Basisbildungsbedarf sind die Möglichkeiten im österreichischen Bildungssystem beschränkt: Wenn sie jung genug sind, um Aufnahme im Schulsystem zu finden, scheitern sie dort häufig nicht nur an ihren mangelnden Kompetenzen in Deutsch, sondern auch am Grad ihrer Literarisierung. Nach wie vor landen diese Jugendlichen fälschlicherweise häufig in Maßnahmen für SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, obwohl ihre Lernkompetenzen nicht im Geringsten unter jenen der inländischen KollegInnen liegen. Sind die Jugendlichen bei ihrer Ankunft in Österreich nicht mehr schulpflichtig, bleiben ausschließlich Maßnahmen der Erwachsenenbildung, die allerdings noch zu wenig differenziert sind und zu wenige auf die Zielgruppe abgestimmte Angebote setzen.

Es gilt, in Bildungseinrichtungen ein neues Verständnis für diese Zielgruppe der Jugendlichen mit Basisbildungsbedarf zu schaffen. BeraterInnen und Unterrichtende müssen die Migrationsgeschichten und Rahmenbedingungen erfragen und über ein gewisses Hintergrundwissen verfügen, um die Kompetenzen der Lernenden richtig einschätzen zu können. Hierbei sind jene Faktoren zu berücksichtigen, die einen Schulbesuch der Jugendlichen verhindert oder unterbrochen, sich aber nicht auf deren grundlegende Lernfähigkeit oder -motivation ausgewirkt haben. Für die Unterrichtenden und Planenden gilt es, die Ursachen der fehlenden formalen Bildung herauszufinden und vor allem auch zu wissen, dass nicht die Jugendlichen selbst dafür verantwortlich zu machen sind, dass sie die Kulturtechniken nicht beherrschen oder scheinbar einfache Fakten nicht wissen.

 

Kompetenzen der Personen mit Deutsch als Zweitsprache in Basisbildungsmaßnahmen

 

Wenn man fehlende oder lückenhafte formale Bildung der Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Basisbildungsmaßnahmen feststellt, darf man nicht unberücksichtigt lassen, dass man keine kleinen Kinder vor sich hat, sondern Menschen mit Lebenserfahrung und Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen. Es ist nicht außer Acht zu lassen, dass diese Personen allein durch ihre Migration und das Kennenlernen mehrerer Kulturen bereits viele Erfahrungen gemacht haben, auf die gleichaltrige "InländerInnen" nicht zurückgreifen können.

Dies betrifft einerseits Schlüsselkompetenzen wie etwa die soziale Handlungsfähigkeit oder Kooperationsfähigkeit, die jungen MigrantInnen bereits in hohem Maße abverlangt wurden, andererseits aber auch Lernkompetenzen, die sich zunächst nicht so sehr auf das formale Lernen beziehen, aber im Kurs dafür "nutzbar" gemacht werden können. So verfügen zum Beispiel Personen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen zumeist über eine außergewöhnlich hohe Merkfähigkeit (z. B. Adressen, Telefonnummern,...), waren sie doch im Lauf der Jahre gezwungen, viele Dinge im Gedächtnis zu behalten, für die andere einen Notizzettel benutzen würden. Weiters ist es so, dass ein enorm hoher Prozentsatz der MigrantInnen bereits mehr als eine Sprache spricht. Die Annahme, dass pro Land eine Sprache gesprochen wird, ist hauptsächlich in Europa zutreffend, während es in afrikanischen oder asiatischen Staaten ganz selbstverständlich ist, dass die BewohnerInnen mehrsprachig sind. Dies bedeutet, dass unsere Lernenden vor Deutsch meist mindestens eine andere Zweitsprache (ungesteuert) erworben haben, und es liegt an den Unterrichtenden, die dafür aufgebrachten Strategien und generell den Nutzen von Mehrsprachigkeit zu thematisieren und bewusst zu machen.

Einige der Jugendlichen verfügen bereits über Arbeits- oder Berufserfahrung, manche haben sogar ein Handwerk erlernt, andere als Hilfskräfte oder in der Landwirtschaft gearbeitet, dabei aber in jedem Fall Kompetenzen erworben, die ihnen aufgrund der fehlenden formalen Ausbildung im Zielsprachenlang häufig "nichts bringen" und damit auch von ihnen selbst "heruntergespielt" werden.

Hinzu kommt, dass viele Jugendliche auch über geraumes Wissen in verschiedenen Bereichen (tradiertes Wissen) verfügen, welches wohl oft schwierig eingeordnet werden kann, im Unterricht aber bei der Behandlung verschiedener Themenbereiche zu Tage tritt und dort auch entsprechende Berücksichtigung finden muss bzw. kann. Nach Möglichkeit soll beim Erlernen weiterer Fakten darauf aufgebaut werden. Dieses tradierte Wissen fehlt häufig jenen Jugendlichen, die von Kindesbeinen an mit Kulturtechniken und neuen Technologien aufwachsen. Letzteren ist es oft nicht möglich, sich zeitlich (sehr genau) nach dem Sonnenstand zu orientieren oder ihnen fehlt beispielsweise ein Bewusstsein für die Erdrotation. Auch den Jugendlichen selbst ist dieses Wissen als solches oft nicht bewusst und sie haben Schwierigkeiten, es mit neu gelernten, abstrakten Fakten zu verbinden. Im Unterricht muss darauf Rücksicht genommen werden, solche Verbindungen herzustellen und dieses Wissen für die Lernenden als wertvoll zu deklarieren und nutzbar zu machen.

Nicht zuletzt dürfen wir "Talente" und "außerschulische Fähigkeiten" nicht vernachlässigen, wie etwa Musikalität, die Fähigkeit, ein Instrument zu spielen, zu malen oder auch zu kochen. So wie es Aufgabe der Schule ist, diese Fähigkeiten jenseits der Kulturtechniken zu fördern und zu erkennen (etwa z. B. im Kunst- oder aber auch im Berufsorientierungsunterricht), so ist es Aufgabe der Maßnahmen im Basisbildungsbereich, diese Kompetenzen wertschätzend zu berücksichtigen und die Jugendlichen in deren Erweiterung zu unterstützen.

 

Gründe für den Bedarf an Basisbildung für Personen mit Deutsch als Zweitsprache

 

Meist sind die Gründe für Basisbildungsbedarf nicht in der Person selbst (etwa in vorurteilsbehafteten Pseudoursachen wie "Faulheit" oder "Lernunwilligkeit" oder den kognitiven Möglichkeiten der Lernenden) zu suchen, sondern ganz banal auf einen lückenhaften bzw. nur sehr eingeschränkten oder gar nicht möglichen Schulbesuch der Jugendlichen zurückzuführen. Hierbei ist zu beachten, dass aus den Berichten der Jugendlichen zumeist hervorgeht, dass sie gern in die Schule gegangen wären, dies aber aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich war. Vielfach sind auch schulisch-strukturelle Faktoren (z. B. Unterrichtssprache ist nicht Erstsprache der Lernenden, Schule nimmt keine Rücksicht auf besondere Lern- oder Förderbedürfnisse, ...) dafür verantwortlich, dass Kompetenzen im Basisbildungsbereich nicht im erwarteten Ausmaß erworben wurden.

 

Ursachen für nicht erfolgten bzw. unterbrochenen Schulbesuch oder für schulischen Misserfolg sind z. B.:

 

  • Armut bzw. Erwerbstätigkeit:
    Viele Jugendliche kommen aus ländlichen Gegenden (von Entwicklungsländern), in denen die Streuung von Schulen nach wie vor so gering ist, dass der Schulbesuch aufgrund der Länge des Schulweges für sie im Herkunftsland nicht möglich war. Hinzu kommen mangelnde finanzielle Möglichkeiten der Familie oder auch die Erfordernisse des Alltags, in dem die Jugendlichen oft schon sehr früh häusliche oder landwirtschaftliche Aufgaben übernehmen mussten.
  • Krieg und Gewalt:
    Für viele junge Menschen war der Schulbesuch im Herkunftsland aufgrund von Krisen und Krieg nicht möglich, da erreichbare Schulen im Kriegsfall  geschlossen wurden oder der Schulweg durch Ausgangssperren behindert bzw. in Zeiten von Aufruhr und Terroranschlägen zu gefährlich wurde. In den schlimmsten Fällen wurden Kinder und Jugendliche schon für Kriegsdienste eingesetzt und konnten deshalb die Schule nicht besuchen.
  • Migration:
    Viele Personen mussten aus unterschiedlichen Gründen ihren Wohnort auch vor ihrer Ankunft in Österreich bereits mehrmals wechseln. Dies beinhaltet Umzüge innerhalb eines Landes ebenso wie Staatenwechsel. Wenn auch erstere zumeist den Vorteil haben, dass kein Wechsel der Unterrichtssprache damit verbunden ist, so fördern häufige Schulwechsel das Lernen grundsätzlich nicht. Hinzu kommt, dass damit auch immer Lücken verbunden sind (also Phasen, in denen - von der Abmeldung in der einen bis zur Anmeldung in einer anderen - gar keine Schule besucht wird ). Bei Migration über Sprachgrenzen hinweg wird die Situation durch den Wechsel der Schulsprache (und damit verbunden auch oft der Schrift) erschwert.
    Noch schwieriger ist die Situation bei Flüchtlingen, deren Migrationsgeschichte häufig von Angst, Traumatisierung und Unsicherheit geprägt ist, was sich hinderlich auf den regelmäßigen Besuch von Bildungsmaßnahmen auswirkt.
  • Diskriminierung:
    Von Diskriminierung sind einerseits nach wie vor Mädchen und jungen Frauen stark betroffen, denen der Schulbesuch verwehrt blieb (aus religiösen oder institutionellen Gründen, häufig aber auch, weil sie diejenigen sind, die im Haushalt helfen müssen, während in die Bildung der Burschen investiert wird). Andererseits sind ethnische Minderheiten von Ausgrenzung und Schlechterstellung - und dies auch in Europa -  betroffen. Ihnen bleibt der Zugang zu schulischer (höherer) Bildung häufig verschlossen.
  • Struktur des Schulsystems:
    ätzlich das Ein- und Umsetzen einer allgemeinen Schulpflicht und das Bereitstellen der dazu notwendigen Ressourcen, also Bereiche, in denen weltweit enorme Unterschiede festzumachen sind. Gleichzeitig sind aber auch SchülerInnen mit besonderen Bedürfnissen von einer mangelhaften Struktur im System betroffen, wenn etwa keine passenden Angebote für sie bereit gestellt werden.
    Ein wichtiger Aspekt ist auch jener der Schulsprache: In vielen Ländern wird in der Schule ausschließlich die offizielle Staatssprache unterrichtet, die allerdings nicht die Erstsprache der Kinder darstellen muss. Darunter leiden jene, die diese vor Schuleintritt noch nicht beherrschen und damit in einer zunächst fremden Sprache alphabetisiert werden. Das gleiche Phänomen trifft ethnische Minderheiten - verschärft oft sogar dadurch, dass die eigene Sprache in der Schule verboten ist, was sich auf den Schul- bzw. Lernerfolg eindeutig negativ auswirkt.

 

(Lern)Ziele und Motivation von Personen mit Deutsch als Zweitsprache in Basisbildungsmaßnahmen

 

Den Jugendlichen in Basisbildungsmaßnahmen ist zumeist gemeinsam, dass sie einen Schulabschluss (Hauptschulabschluss) in Österreich anstreben bzw. berufliche Ziele verfolgen, für die sie sich aus- und weiterbilden möchten. Ihre Motivation ist also sehr hoch, ebenso sind - wie oben erwähnt - nicht ihre intellektuellen oder kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt, sondern sie hatten einfach in ihrem bisherigen Leben keine Gelegenheit zum Lernen. Gleichzeitig stellen der regelmäßige Schulbesuch bzw. die "Schulregeln" für viele eine Schwierigkeit dar: Jugendliche, die nie die Schule besucht haben, müssen erst lernen, dass Pünktlichkeit sowie das gemeinsame Einhalten von Pausenzeiten, aber auch das Arbeiten in Gruppen und das Auskommen miteinander wichtige Aspekte des schulischen Lernens sind.

Das Alter ist ein weiterer bestimmender Faktor für die Lernmotivation. Fördert einerseits die Zielorientiertheit der Jugendlichen das Lernen, so gibt es auch verlangsamende Faktoren: Viele befinden sich in einer Phase, in der selbstverständlich andere Bereiche (Liebe, Konflikte, Eltern,...) ihr Leben wesentlich intensiver bestimmen als das Lernen. Dazu gehört auch das "Suchen von Reibepunkten". Junge Menschen brauchen die Auseinandersetzung mit anderen Personen, um Regeln und Grenzen des Zusammenlebens individuell nachvollziehen zu können, sich im sozialen Gefüge zu behaupten, sich eine eigene Meinungen bilden zu können und die Schule muss ein Ort sein, an dem Auseinandersetzung möglich ist.

Kurse im Bereich Basisbildung müssen sich diesen Herausforderungen stellen, das schulische Lernen als Lernziel begreifen und sich mit den Jugendlichen individuell auseinandersetzen. "Ihre Themen" müssen auch Themen des Unterrichts sein, die Lehrenden müssen Verständnis für die Lernenden haben und zeigen und gleichzeitig bereit sein, sich den Konfrontationen mit ihnen zu stellen.

Ziel von Basisbildungsmaßnahmen muss es also sein, die Jugendlichen in ihren Bestrebungen zu unterstützen. Neben den grundlegenden Fertigkeiten in den Kulturtechniken muss das "Lernen lernen" ein zentrales Anliegen von Kursen und Lehrgängen sein, um den weiteren Lernweg der TeilnehmerInnen sowie das Vermitteln von jenem "Grundwissen", das im europäischen Kontext vorausgesetzt wird, optimal vorzubereiten.

 

Bibliografische Angaben zu der im Artikel zitierten Literatur unter Literaturhinweise