Mehrsprachige Intensivbetreuung

Mehrsprachige psychosoziale Intensivbetreuung und Beratung

Seit Bestehen des Integrationshauses finden die Flüchtlinge hier nicht nur menschenwürdige Unterkunft und Verpflegung, sondern auch eine mehrsprachige psychologische Intensivbetreuung. Dabei wird Flüchtlingen Beratung und Betreuung bei persönlichen, familiären, rechtlichen, arbeits- und wohnbezogenen Problemen und Fragen angeboten, um sie bei ihrer Integration in die österreichische Gesellschaft zu begleiten und zu unterstützen. Ziel der Intensivbetreuung ist die psychische Stabilisierung und die Vorbereitung bzw.die (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt. Die Flüchtlinge sollen die materiellen und persönlichen Voraussetzungen erlangen, das Leben in der Aufnahmegesellschaft wieder eigenverantwortlich führen und bewältigen zu können.
Angeboten wird eine mehrsprachige psychosoziale Bezugsbetreuung mit Case-Management sowie klinisch-psychologisch und gesundheitspsychologische Beratung und Behandlung. Das Team umfaßt insgesamt neun mehrsprachige MitarbeiterInnen - SozialarbeiterInnen, Klinische PsychologInnen, GesundheitspsychologInnen und muttersprachliche BeraterInnen.

Finanziert wird die Wohnbetreuung im Rahmen der Grundversorgung über den Fonds Soziales Wien. Die Durchführung frauenspezifischer Projekte sowie der psychologischen Beratung und Betreuung wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit und des Bundesministeriums für Frauen finanziert. In allen genannten Bereichen werden zusätzlich noch private Spendengelder eingesetzt.

Betreuungsverlauf
Am Beginn der Betreuung wird ein ausführliches Aufnahmegespräch geführt, von den PsychologInnen eine klinische Anamnese erstellt. Dies dient als Arbeitsgrundlage und zur Einschätzung des jeweiligen Betreuungsbedarfs sowie der Auswahl der geeigneten Betreuungsangebote.
Nach der Aufnahme mit Erklärung der Angebote, der Hausordnung und hausinterner Gegebenheiten folgt eine Phase der Eingewöhnung. Der/die BetreuerIn erstellt einen Betreuungsplan, der die nächsten Aufgaben und Ziele definiert. Meist ist der erste große Schwerpunkt die psychische Stabilisierung, denn sie ist Voraussetzung für den Spracherwerb und die Arbeitsfähigkeit. Die Stabilisierung und andere den Selbstwert stützende Maßnahmen spielen aber in fast allen Betreuungsphasen eine wichtige Rolle.
Wenn ausreichende Sprachkenntnisse vorhanden sind, wird ein Plan bezüglich Aus- und Weiterbildung erstellt bzw. vorhandene Diplome nostrifiziert. KlientInnen, die Zugang zum Arbeitsmarkt haben, werden dann bei der Arbeitssuche unterstützt. Gegebenenfalls müssen auch Kinderbetreuungsmöglichkeiten organisiert werden, um eine Ausbildung oder Arbeitsaufnahme überhaupt zu ermöglichen. Die Betreuung setzt sich auch bei erfolgreicher Arbeitssuche fort. Nach oft Jahren der Beschäftigungslosigkeit benötigen viele KlientInnen Unterstützung bei der Umstellung auf eine geregelte Tagesstruktur oder auf körperlich oft sehr anstrengende Tätigkeiten.
Läuft die berufliche Integration gut, so kommt als letzter Schritt die Unterstützung bei der Wohnungssuche. Informationen zur Wohnungssuche und dem Zugang zum sozialen Wohnbau sowie Finanzierungsmöglichkeiten werden besprochen und BewohnerInnen bei Besichtigungen und bei Vertragsabschlüssen begleitet.
Ist ein Flüchtling/eine Familie ausgezogen, so besteht das Angebot der Nachbetreuung. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass dieses gerne in Anspruch genommen wird, wenn akute Krisensituationen, wie Schwierigkeiten in der Familie oder am Arbeitsplatz oder rechtliche Fragen belasten.
Die obige Beschreibung entspricht einem idealtypischen Betreuungsverlauf. In der Regel sind die Phasen nicht so klar zu trennen, sie gehen zumeist fließend ineinander über oder laufen parallel. So ist bei AsylwerberInnen die Phase des Spracherwerbs oder der Weiterbildungsmaßnahmen aufgrund der Dauer der Asylverfahren eine besonders lange – einige der KlientInnen haben ihren Asylantrag bereits vor mehr als fünf Jahren gestellt. Kurse haben bei dieser Personengruppe dann auch den Charakter einer Beschäftigungstherapie, damit sie nicht ganz das Zeitgefühl und ihren ohnehin angeschlagenen Selbstwert verlieren. Da es Flüchtlingen nicht möglich ist, die eigene Zukunft zu planen, sind sie der Wartesituation hilflos ausgeliefert und leiden unter der Angst, in den Verfolgerstaat abgeschoben zu werden. Psychologische Unterstützung und Stabilisierung sind daher während der Dauer des Asylverfahrens besonders wichtig.