IM LEO Psychologische Betreuung von Kindern und Jugendlichen

IM LEO * Flüchtlingskindern einen sicheren Ort schenken *

Zielgruppe und Problemlage
Das Projekt „Im Leo“ ist ein psychologisches Betreuungsprojekt für Kinder und jugendliche AsylwerberInnen im Alter von 6 bis 16 Jahren, welche mit ihren Familien im Integrationshaus in Wien leben. Die Kinder und Jugendlichen zeigen verschiedenste Symptome, welche als Hinweis auf belastende Erlebnisse in der Vergangenheit und das Bestehen einer traumatischen Belastungsstörung (PTSD) gesehen werden können. Zum Beispiel: Störung des Sozialverhaltens, geringer Selbstwert, Affektstörungen, Schlafstörungen, Bettnässen, körperliche Übererregtheit, Konzentrationsstörungen oder eine erhöhte Konfliktbereitschaft. Durch die genannten Symptome fällt es den Kindern schwer, sich in ihrer neuen Lebensumwelt zurechtzufinden und harmonische Kontakte zu Gleichaltrigen aufzubauen. Für psychisch belastete Kinder und Jugendliche, die gemeinsam mit ihren Eltern im Rahmen der Grundversorgung untergebracht sind, sind von Seiten der offiziellen Stellen keine spezifischen Betreuungsangebote vorgesehen und diese werden daher auch nicht finanziert. „Im Leo“ möchte daher diese Betreuungslücke schließen. Das besondere dabei ist, dass Flüchtlingskinder psychologisch und unmittelbar an ihrem Wohnort betreut werden.

Das über Spenden finanzierte Projekt hat seinen Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche im Schulalter gesetzt, da durch die Schule und die damit verbundenen Leistungsanforderungen zusätzliche Belastungen entstehen können. Die Bezeichnung „Im Leo“ bezieht sich übrigens auf den Zufluchtsort beim kindlichen Fangenspiel. Wer „im Leo“ ist, dem kann nichts passieren. Er/sie ist in Sicherheit. Außerdem ist das Integrationshaus in der Wiener Leopoldstadt beheimatet. Die Kinder sind also sozusagen „im Leo“ zu Hause.

Projektziele
Ziel des Projektes ist die psychische Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen. Belastungen, die aus Flucht, prekären Lebensumständen, belasteten Eltern und einer neuen Lebensumgebung entstehen, sollen durch gezielte Maßnahmen reduziert werden. Dier Kinder werden in der Gruppe in ihrem Selbstwert und ihrer Identitätsentwicklung gestärkt, lernen Konflikte konstruktiv zu führen und Bedürfnisse besser zu artikulieren.

Erfahrungen des Integrationshauses haben gezeigt, dass bereits kleine Unterstützungserlebnisse negativen Entwicklungen vorbeugen können. Da sich die Persönlichkeit noch in einem Reifeprozess befindet, kann durch wiederholte positive Beziehungserlebnisse viel wieder „heil“ werden, was durch die Erfahrungen von Krieg, Heimatverlust und Flucht erschüttert wurde.

Einzelpsychologische Interventionen, Gruppenaktivitäten und offenes Büro
Die zentralen Methoden des Projektes stellen einerseits die Einzelpsychologische Intervention (EPI), andererseits die Gruppenaktivitäten dar. Zusätzlich wird den Eltern im Rahmen der Elternberatung Unterstützung im Erziehungsalltag angeboten und regelmäßige Freizeitaktivitäten organisiert. Eine enge Zusammenarbeit mit anderen Betreuungseinrichtungen erweitert die Ressourcen der Kinder und Jugendlichen, so dass auch nach ihrem Auszug aus dem Integrationshaus für Struktur und Stabilität gesorgt ist.

Einzelpsychologische Intervention (EPI) ermöglicht ein individuelles Eingehen auf die speziellen Bedürfnisse besonders belasteter Kinder. Wird ein Kind für eine solche Maßnahme ausgewählt, so verbringt es wöchentlich eine Stunde bei der Psychologin und wird individuell betreut. Kreative und spielerische Methoden stehen dabei im Vordergrund. Das Kind wird hier nicht in seinen Defiziten und Auffälligkeiten sondern in seinem Bedürfnis gesehen, Sorgen und inneren Konflikte auszudrücken. Ziel der EPI ist die Wahrnehmung und in weiterer Folge die positive Verarbeitung solcher Konflikte. Aktuell befinden sich 6 Kinder in EPI, wobei der Bedarf viel größer wäre.

Durch das Angebot von Gruppenaktivitäten haben die Psychologinnen die Möglichkeit, trotz geringer zeitlicher Ressourcen einen regelmäßigen Kontakt zu allen Kindern im Haus aufrecht zu erhalten und somit über deren psychische Befindlichkeit am Laufenden zu sein. Die Kinder und Jugendlichen sind aktuell in verschiedene Gruppen aufgeteilt: die Schmetterlingsgruppe, die Löwengruppe und die Jugendgruppe.

Zweimal pro Woche können die Kinder und Jugendlichen im „offenen Büro“ mit den Psychologinnen Kontakt aufnehmen. Hier gibt es Raum für Gespräche, die Gelegenheit, Spiele auszuborgen oder die Möglichkeit, Hilfe zu suchen bei Problemen in der Schule bzw. zu Hause. Das „Offene Büro“ hat sich als gute Möglichkeit erwiesen, einen regelmäßigen Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten und bei Bedarf schneller auf Kinder in problematischen Situationen zu reagieren.

Elternberatung und Schulkontakt
Einmal wöchentlich haben Eltern die Möglichkeit, mit den Psychologinnen Kontakt aufzunehmen und sich über die psychische Befindlichkeit der Kinder auszutauschen. Diese oft nur kurzen Gespräche können für die Situation zu Hause von großem Nutzen sein, da es den Eltern oft an „pädagogischem Werkzeug“ fehlt. Die Psychologinnen helfen ihnen, den Kindern die nötige Aufmerksamkeit und Zuwendung zu schenken, aber gleichzeitig Regeln und Grenzen im familiären Alltag klar aufzuzeigen.

Da alle im Projekt betreuten Kinder und Jugendlichen zur Schule gehen, wird versucht, einen regelmäßigen Kontakt zu den KlassenlehrerInnen zu halten. Hauptgrund dafür ist, dass die Eltern aufgrund ihrer psychischen Belastung aber auch der anfänglich mangelnden Sprachkenntnisse nicht als Hauptansprechpartner für den Lehrer/die Lehrerin ihres Kindes herangezogen werden können. Hier wird über die Psychologinnen von „Im Leo“ eine Brücke geschlagen.

Zusammenarbeit mit anderen Stellen
Es hat sich gezeigt, dass die enge Zusammenarbeit mit anderen Institutionen (z.B. Spitäler, Jugendamt) von Nutzen sein kann. Durch die Vermittlung von „Im Leo“ steigt das Verständnis für die besondere Lage der Kinder und die zukünftige Zusammenarbeit wird erleichtert. Gleichzeitig wird das soziale Netz, welches die Familien nach ihrem Auszug aus dem Integrationshaus weiter begleiten wird, engmaschiger.

Unterstützung durch ehrenamtliche Flüchtlingsbuddies
Buddies bieten wertvolle Unterstützung orientiert an ihren Ressourcen und den Bedürfnissen der Kinder. Das gemeinsame Tun reicht von Nachhilfe über Ausflüge bis hin zu maltherapeutischen Aktivitäten. Der Austausch zwischen Flüchtlingskindern und „ÖsterreicherInnen“ bietet Einblicke in andere Lebenswelten und unterstützt das Verständnis füreinander sowie den Integrationsprozess.

IM LEO bietet hochprofessionelle psychologische Unterstützung und leistet einen wichtigen Beitrag zur gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus besonders belasteten Flüchtlingsfamilien.
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