Verleihung des Dr. Alexander Friedmann Preises 2015

Ausgezeichnet wurden das Wiener Integrationshaus, das Frauen-Friedensprojekt SEKA in Bosnien-Herzegowina und die Österreichischen Bundesbahnen.

Zum siebenten Mal wurde am Donnerstag, 26. November der Dr. Alexander Friedmann Preis durch das Psychosoziale Zentrum ESRA im Rahmen einer feierlichen, aber auch sehr nachdenklich stimmenden Veranstaltung verliehen. Ausgezeichnet wurden das Wiener Integrationshaus, das Frauen-Friedensprojekt SEKA in Bosnien-Herzegowina und die Österreichischen Bundesbahnen. Die Ereignisse der letzten Monate, waren sich Festredner André Heller, PreisträgerInnen und LaudatorInnen einig, erfordert mehr denn je entschiedenes und moralisch begründetes Handeln.

„Die Zeit heute Abend würde kaum ausreichen, um auf alle Aktivitäten des Integrationshauses einzugehen“, meinte Dr. Monika Vyslouzil, Professorin an der Fachhochschule St. Pölten und ebenfalls Jurymitglied, in ihrer Laudatio auf das Wiener Integrationshaus und hob vor allem die Vielfältigkeit und den hohen Standard in der Qualität der Leistungen hervor. Es sind die besonders Schutzbedürftigen, die das Integrationshaus seit 20 Jahren intensiv begleitet und betreut – unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, alleinerziehende Frauen, physisch und psychisch Kranke.
(die gesamte Laudation von Dr. Monika Vyslouzil finden Sie rechts zum Download)

Integrationshaus-Leiterin Andrea Eraslan-Weninger erklärte, die Herausforderung bestehe nicht nur in der Akutversorgung von Flüchtlingen, sondern in einer qualitätsvollen Betreuungs- und Integrationsarbeit, "damit Flüchtlinge eine Zukunftsperspektive in Österreich finden können". "Dazu braucht es ein solidarisches, soziales, menschliches Österreich, ein Österreich der Menschenrechte." Was es dagegen sicher nicht brauche, seien Zäune und "es braucht auch keine weiteren Asylrechtsverschärfungen". Stattdessen würden Ressourcen benötigt, um vor allem Obdachlosigkeit zu bekämpfen.

Mit dem Dr. Alexander Friedmann Preis soll die psychosoziale Arbeit gewürdigt und gefördert werden, die tagtäglich geleistet wird, um schwer traumatisierten Menschen – Verfolgten, Flüchtlingen aus Kriegsgebieten – wieder zu einem Neubeginn und zu Stabilität zu verhelfen. Diese Arbeit stand im Mittelpunkt des Lebenswerkes von Dr. Alexander Friedmann, die er auf vielfältige Weise und in unermüdlichem Einsatz unterstützte: als Begründer und Leiter der transkulturellen psychiatrischen Spezialambulanz am AKH, als Psychiater, als Lehrender, Mitglied der Ethikkommission der Stadt Wien, als Mitbegründer des JBBZ und als Mitbegründer und langjähriger Obmann von ESRA. „Er war ein Mensch, der immer über den Tellerrand hinausgesehen hat, keine Grenzen akzeptiert hat“, erinnerte Peter Schwarz, Geschäftsführer von ESRA, „gerade heute würde Alex Friedmann sehr gebraucht werden“.

Foto: Wladimir Fried
Foto: Wladimir Fried